Ideologie-Kritik News

Endlich: Wissenschaft besiegelt das Aussterben der Monogamie

Hi!

Sorry für den Titel, aber in diesem Fall hat er tatsächlich etwas mit der Message die ich gerne rüber bringen möchte zu tun.

Vor kurzem kam eine Studie raus, die anhand eines mathematischen Modells die These überprüft hat, ob Geschlechtskrankheiten historisch etwas mit der Entstehung der Monogamie zu tun haben. Und das coole ist, ja es hat etwas miteinander zu tun!

In der Studie wurden drei verschiedene Ansätze gewählt, Polygyn (also ein Mann der mit vielen Frauen schläft), Monogamie und bestrafende oder repressive Monogamie. Repressive Monogamisten dulden keine Polygynisten und wenden Energie auf, um Polygynisten zu unterdrücken. In der Studie ist diese aufgewendete Energie ausgedrückt in reduzierter Geburtenrate. Das bedeutet, sie verwenden Zeit und Ressourcen um ihre Ideologie durch zu setzen. Das war Forschern bisher ein Rätsel, weil sie dadurch ja einen Nachteil gegenüber den Polygynisten hatten und dennoch hat sich die Monogamie historisch im Vergleich zur sehr frühen Menschheits-Geschichte mit einzelnen kleinen Stämmen durchgesetzt.

Daher haben sie ein mathematisches Modell entwickelt in dem sie untersucht haben, was passiert wenn man sexuell übertragbare Krankheiten die einen Einfluss auf die Geburtenrate haben in diese Überlegungen mit einbezieht.

 

Die bürgerliche Presse mit Ideologieauftrag

Bevor ich jetzt weiter auf die Studie, ihre Ergebnisse und die Implikationen eingehe, möchte ich kurz erklären warum ich für meinen Artikel diesen Titel gewählt habe.

Weil es mich ärgert was in einigen Artikel aus dieser wirklich guten Studie gemacht wurde.  Die Artikel kenne ich, weil ich über sie überhaupt erst auf die Studie aufmerksam gemacht wurde, aber das rechtfertigt nicht die ideologischen Ergüsse die aus dieser Studie gemacht wurden. In dem Artikel der Welt heißt es Beispielsweise in der Unterüberschrift:

„Partnerschaften, in denen Treue wichtig ist, haben einen tieferen Sinn. Das haben jetzt Forscher aus Kanada herausgefunden: Wer monogam lebt, hilft der ganzen Gemeinschaft.“

Der Artikel selbst ist gar nicht so schlecht, er gibt relativ neutral die Ergebnisse der Studie wieder. Aber allein die Unterschrift zeigt wie hier verzweifelt versucht wird aus einem erst mal neutralem Studienergebnis eine ideologische Norm abzuleiten. In der „Augsburger Allgemeine“ lautet der Titel „Monogamie ist gesünder als die Polygamie“.

Die ideologischen Schlussfolgerungen die aus dieser Studie gezogen wurden, beziehungsweise die einem mit dem Titel nahe gelegt werden sollen, sind völlig falsch. Warum erkläre ich dir weiter unten, aber nur so viel: Die Studie impliziert eigentlich wenn überhaupt das genaue Gegenteil von dem, was die Autoren dieser Medien da gerne gehabt hätten.

Als einzig positive Berichterstattung ist hier Spektrum hervor zu heben, die einen neutralen Titel gewählt haben: „Ohne Kondom zur Monogamie: Warum leben wir in Paaren?“

Zusätzlich hat der Autor bei Spektrum im Gegensatz zu den anderen beiden Zeitungen wohl ein wenig nachgedacht, was denn diese Studienergebnisse jetzt eigentlich implizieren und fragt zum Schluss: „Wenn Sesshaftigkeit mit mehr Monogamie einhergeht, werden wir Kinder der Globalisierung dann wieder mehr als eine Beziehung gleichzeitig haben – einen Freund in jedem Hafen?“

Eine interessante Frage, aber Spektrum ist ein Wissenschaftsmagazin. Insofern ist es sehr angenehm, dass diesem Anspruch auch Genüge getan wurde und man so einen neutralen statt eines reißerischen Titel gewählt hat. Aber mit der Übermacht des negativen Bildes in den anderen erwähnten Medien habe ich beschlossen zumindest im Titel die krasse Gegenposition zu beziehen.

 

Was steht denn eigentlich genau in der Studie

Das wesentliche Ergebnis der Studie ist vor allem: Ja, der Aufwand für bestrafende Monogamie lohnt sich evolutionär gesehen ab einer bestimmten Gruppengröße! Und zwar, weil sexuell übertragbaren Krankheiten in diesen größeren Gruppen eine stärkere Rolle spielen und in hohem Maße mit Fruchtbarkeits-Verminderung assoziiert sind. Bestrafende Monogamisten haben dadurch trotz des Aufwandes den sie betreiben müssen um scheiße zu Polygynisten zu sein einen reproduktiven Vorteil und dominieren die Gruppe, sobald eine Krankheitswelle stattgefunden hat, welche die Fruchtbarkeit der Gruppe reduziert hat.

Ist die Gesamtpopulation aber in kleinere Gruppen unter 30 Personen aufgeteilt, ist die Poly-Variante vorteilhafter und sie können sich insgesamt durchsetzen, da sie sich schneller vermehren und bleiben so insgesamt gesehen dominant. Trotzdem gibt es auch in diesem Klein-Gruppen-Szenario in der Gesamtpopulation immer einige Gruppen die monogam sind oder bestrafend/repressiv monogam. Das sind ziemlich spannende Ergebnisse, weil sie neben zahlreichen anderen Aspekten endlich einen ziemlich eindeutigen Trend zeigen, wie es eigentlich dazu kam dass wir von kleinen Stämmen – die wie wir mittlerweile wissen überwiegend polygam gelebt haben – auf einmal auf das eigentlich sehr wenig verbreitete monogame Modell gewechselt haben sobald das Zeitalter der Sesshaftigkeit und der Landwirtschaft anbrach.

Ich finde die Studie auch deshalb sehr gut, weil sie eben nicht nur von einer simplen reproduktiven Strategie ausgeht die jedes einzelne Individuum wählt, sondern auch soziologische Aspekte mit einbezieht. Ein männliches Kind das geboren wird, adaptiert nämlich nach dieser Studie relativ wahrscheinlich die Strategie seiner Eltern und Umgebung, also Polygynie, Monogamie oder repressive Monogamie. Ein gewisser Prozentsatz der Kinder wählt seine Strategie aber zufällig aus. Aus Vereinfachungsgründen bleibt das Individuum dann sein Leben lang bei dieser Strategie, was zum Glück unrealistisch ist, aber nichts an den Ergebnissen ändert.

Dennoch kommt mir dieser Ansatz sehr nahe an der Realität vor. Schließlich übernehmen wir auch heute noch große Teile unserer Glaubenssätze von unseren Eltern und unserem Umfeld und tun uns zuweilen sehr schwer diese zu hinterfragen. Durch dieses kombiniert soziologisch ökonomische Modell, mit der Wahl der Fortpflanzungsstrategie einerseits und der daraus resultierenden Geburtenrate und individuellen Nachkommenschaft andererseits, zeichnet sich ein relativ genaues Bild wie sich das ganze entwickelt haben könnte. Was diese „mathematischen Menschen“ dann für verschiedene Methoden gewählt haben, um ihre Ideologie durchzusetzen und wie sie das begründet haben ist weitgehend irrelevant. Denn ein Individuum muss die zugrunde liegenden Mechanismen seiner Evolution nicht kennen, um Teil dieser Evolution zu sein. Aber wenn man das ganze mal aus dieser nüchternen Perspektive betrachtet erscheint zum Beispiel das Christentum auf einmal wie ein ziemlich gutes Transportmedium für „bestrafende/repressive Monogamie“ oder?

 

Sollte man die Studie überhaupt ernst nehmen?

Diese Frage muss man sich natürlich immer stellen, bevor man irgendwelche Schlussfolgerungen aus ihr ziehen kann. Denn aus einer schlecht durchgeführte Studie kann ich auch nur schwache oder im schlimmsten Fall sogar falsche Schlussfolgerungen ziehen.

Ich persönlich bin aber ziemlich begeistert von der Studie. Also ja, die Studie ist meiner Meinung nach gelungen. Es handelt sich um ein mathematisches Modell, die gewählten Parameter sind durchweg einleuchtend und vorsichtig gewählt und die Ergebnisse decken sich mit der beobachteten Realität ziemlich gut.

Man muss, wenn eine Studie auf einem mathematischen Modell beruht natürlich immer im Kopf behalten dass in so einem Modell natürlich einzelne Faktoren so lange hin und her variiert werden können bis etwas raus kommt was man gerne sehen will. In diesem Fall wurde aber genau das transparent gemacht und es wurde immer wieder überlegt ob die neuen Parameter in der Realität noch sinnvoll wären und fest gehalten welche Veränderungen sich dadurch ergeben. Mir persönlich erscheinen die Ergebnisse sehr einleuchtend und die Studie transparent durchgeführt. Man kann sich sogar die Formeln und Variablen anschauen, wenn man das möchte. Auch wurden viele verschiedene Überlegungen mit einbezogen, es wurde also nicht sinnlos drauf los gerechnet, sondern tatsächlich versucht sich der Realität möglichst gut zu nähern.

Eine Frage die ich mir sofort gestellt habe und die in den oben genannten Artikeln auch falsch dargestellt wurde: Warum wurde eigentlich nur das Modell ein Mann viele Frauen (Polygyn) untersucht und nicht viele Frauen, viele Männer? Auf diesen Einwand ist die Studie ebenfalls eingegangen und gibt zu, dass dieses Modell zu simpel ist und man mit diesem zusätzlichen Faktor weitere Studien durchführen könnte. Es erscheint aber unwahrscheinlich, dass sich dadurch an den Ergebnissen großartig etwas ändert, beziehungsweise es wird vermutet dass durch diesen Faktor die Entwicklung sogar noch verstärkt wird.

Es wird ebenfalls darauf eingegangen ob sexual übertragbare Krankheiten einen anderen Einfluss haben, wenn sie chronisch oder nur sehr kurz andauernd sind. Die Studie geht auf diese Überlegung ein und stellt fest, dass sich dadurch nicht viel ändert, außer dass ein weiterer Faktor, nämlich die Verringerung der Sex-Häufigkeit („Coital dilution“) mit nur einem speziellen Partner durch die Polygynie, auf einmal an Bedeutung gewinnt.

Es ist außerdem zu bemerken, dass auf das Phänomen „Seitensprung“ nicht weiter eingegangen wurde, es wurde in der gesamten Studie bei den Monogamisten von tatsächlich „sexuell exklusiven“ Individuen ausgegangen. Es wurde sogar betont, dass diese sexuelle Exklusivität bezogen auf den Geschlechtsakt („mating“) nicht notwendigerweise das gleiche ist wie nur einen Partner zu haben. Einen solchen Parameter einzuführen würde vermutlich noch genauere Erkenntnisse hervorbringen, aber Näherungsweise erscheinen die Ergebnisse schon ziemlich gut.

Alles in allem: Die Studie ist gut und man kann sie ernst nehmen.

 

Was kann oder sollte man aus der Studie schlussfolgern

Die Studie zeigt uns also anhand eines mathematisch sinnvollen Modells, wie Geschlechtskrankheiten einen wesentlichen Einfluss darauf gehabt haben könnten, dass wir heutzutage überwiegend monogam sind und wie es mit der Entwicklung der Landwirtschaft dazu hätte kommen können.

Aber Moment, Evolution ist etwas das nicht irgendwann passiert ist, sondern etwas, das die ganze Zeit passiert. Was hat sich denn in den letzten 100 Jahren so verändert was diesen Faktor beeinflussen könnte?

Ah richtig! Kondome und Krankheitsbekämpfung! Auch heute gibt es noch Geschlechtskrankheiten die unfruchtbar machen können und die teilweise sogar eine erschreckend hohe Durchseuchungs-Raten haben, auch bei uns. Ein Beispiel dafür sind Chlamydien und Trichomonaden.

Doch beide Infektionen kann man durch Kondome ganz massiv vorbeugen und beide Infektionen sind durch Antibiotika heilbar. Das bedeutet, dass man heutzutage vor Unfruchtbarkeit durch Krankheitserreger im wesentlichen dann Angst haben muss, wenn man oft Sex ohne Kondom hat und sich nicht regelmäßig checken lässt und nicht, wenn man einfach nur allgemein oft Sex hat.

Als weiterer Faktor kommt hinzu dass es „bestrafende Monogamisten“ in unserer Gesellschaft zunehmend schwerer haben bestrafend zu sein. Sie können zwar moralisch Verurteilen und Menschen die ihre Ideologie nicht akzeptieren mit der Hölle drohen, aber wirklich ernsthafte Nachteile werden mit zunehmendem Fortschritt der Gesellschaft immer weniger.

Und ein witziges Eigentor schießt sich die „bestrafende Monogamie“ Strategie heutzutage dabei selbst: Dadurch dass sie Polygamisten eine erhöhte sexuelle Krankheitsrate vorwerfen beschäftigen sich diese intensiver und konsequenter mit Verhütung und dem Thema der sexuell übertragbaren Krankheiten. Ich habe bisher in meinem eigenem Umfeld noch keinen Polygamisten getroffen der grundsätzlich keine Kondome benutzt oder der, wie das in serieller Monogamie üblich ist, nach einer Zeit von zwei Wochen bis drei Monaten beschließt dass es jetzt auf einmal kein Krankheitsrisiko mehr gibt. Dafür ist die Verantwortung gegenüber den anderen sexual-Partnern einfach zu groß, man möchte sie ja nicht mit irgendwas anstecken.

Und ein weiterer großer Vorteil: Man kann darüber reden! Als ich noch etwas unerfahrener war und mir hin und wieder Kondome geplatzt oder abgerutscht sind (Glaubt mir, das sind reine Anwendungsfehler, mir ist das mittlerweile seit über 8 Jahren nicht mehr passiert! Wenn ihr damit zu kämpfen habt, probiert mal einige verschiedene Größen und Marken durch.) konnte ich dies mit meiner Partnerin einfach ansprechen und wir haben gemeinsam beschlossen wie wir mit dem Risiko umgehen. Wie soll das in einer monogamen Partnerschaft laufen? Klar, das Idealbild ist, dass man sich einfach nicht „fremd geht“, aber was wenn doch? Sagt man dann seinem Partner einfach dass man jetzt drei Monate Kondome benutzen muss ohne ihm zu erklären warum? Die Regel ist: Einfach hoffen das schon nichts sein wird und wenn man seinen Partner dann doch ansteckt und zur Rede gestellt wird beichtet man entweder erst dann unter Tränen, oder schiebt es auf schmutzige Bettwäsche oder magische Spontan-Infektionen. Auch dieses Muster konnte ich in meinem direktem Bekanntenkreis schon mehrfach beobachten.

Alles in allem kann man deshalb finde ich ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass Leute die in offenen Beziehungen leben im Schnitt weniger mit Geschlechtskrankheiten zu kämpfen und zu tun haben als Menschen, welche die gesellschaftliche Norm der seriellen Monogamie leben. Nicht weil sie irgendwie immun sind, sondern einfach weil sie ein höheres Gesundheitsbewusstsein und größere Sicherheitsansprüche haben. Denn sie werden aufgrund ihres Lebensstil öfter damit konfrontiert und stellen sich diese Frage überhaupt, was ein großer Vorteil ist gegenüber einfach der Norm zu folgen ohne sich darüber Gedanken zu machen.

Das alles natürlich unter der Voraussetzung das Zugang zu Antibiotika und Kondomen ohne weiteres gegeben ist, diese Beobachtungen treffen also im wesentlichen auf Industrieländer und Menschen zu, denen ihre eigene Gesundheit wichtig ist zu.

Zusätzlich zu all dem hat auch die Zeit der Landwirtschaft unseren Sex-Trieb nicht verringert, wir haben immer noch sehr gerne sehr viel und am besten mit vielen verschiedenen Menschen Sex. Ein Teil der ganzen „bestrafenden Monogamie“ war eben einfach sozial gelernt und hat an unserer Hirn-Physiologie nicht unbedingt viel verändert.

Doch inwiefern ist das alles überhaupt relevant?

 

Natürlichkeit und Reproduktion als Argument?

Unter all diesen Aspekten müssen wir uns wie immer eine Frage stellen, wenn irgendwer mal wieder mit der Keule der „Natürlichkeit“ kommt: Interessiert mich das?

Die Antwort ist immer die gleiche: Nein tut es nicht.

Natürlich sind meine Argumente im letzten Absatz alle nur sehr bedingt greifend, denn erstens sind 100 Jahre gerade mal drei oder vier Generationen und somit noch nicht genug um eine evolutionäre Veränderung hervor zu rufen, zweitens ist es fraglich inwiefern Polygamisten durch diese Mechanismen mehr Kinder kriegen als Monogamisten. Und die Effektivität der Reproduktion ist nun mal der einzige Faktor nach dem evolutionär selektiert wird. Ein Effekt der modernen Verhütung und Medizin ist aber eben auch, dass man eben keine Kinder kriegt nur weil man Sex hat, insbesondere wenn man das nicht möchte.

Das heißt, die Natürlichkeit ist weder für die eine Seite noch für die andere ein sonderlich gutes Argument. Ich kann mich auf die letzten 100 Jahre berufen und sagen wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Ich kann mich auf die letzten 3000 Jahre berufen und sagen, so lange wir nicht wieder in Gruppen von 30 Personen leben sollten wir Monogamie als gesellschaftliches Ideal stützen. Ich kann mich auf die 100.000 Jahre davor beziehen und sagen, der Mensch ist ein ziemlich promiskuitiver Affe und die letzten 3000 Jahre haben daran nicht sonderlich viel geändert.

Oder ich kann das einzig richtige tun und sagen: Was kümmert mich eigentlich, ob das was ich tue natürlich ist oder nicht? Seit wann ist Natur ein Argument dafür ob sich etwas gut anfühlt, oder gar ob es richtig ist? Die Studie zeigt, das der soziologisch-ideologische Teil eine wesentliche Rolle gespielt haben könnte in der Entstehung der repressiven Monogamie. Es bedeutet dass umso mehr diese Faktoren obsolet werden, desto mehr sich das gesellschaftliche Sexualverhalten wieder ändern kann und genau das beobachten wir gerade.

Aber wir sind nicht Opfer unserer Gene. Wir haben uns so weit entwickelt, dass wir einfach beschließen können was wir für uns am schönsten finden und das ohne Strafen wie Kinderlosigkeit oder Krankheit. Und wir sind auch nicht wie in dem mathematischem Modell, in dem wir eine einmal gewählte Strategie für immer verfolgen müssen. Wir können uns entscheiden etwas neues auszuprobieren und zu schauen ob es uns gut tut. Und je mehr Leute das tun, desto einfacher wird es und desto klarer wird es dass die Abwesenheit von Bestrafung für dieses Leben immer mehr zur Realität wird!

 

Was tun also? Das was du sowieso tun würdest!

Was ist also die Schlussfolgerung aus all dem, wenn man denn unbedingt eine ziehen will?

Amüsanter weise sind genau die Taktiken und Verhaltensweisen „evolutionär“ sinnvoll – unter dem oben genanntem Vorbehalt inwiefern diese Denke überhaupt Sinn macht – die wir als aufgeklärte Menschen ohnehin vertreten.

  • Wir sollten verantwortungsvoll mit unserem Körper und dem unserer Partner gehen, Kondome benutzen und uns regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten überprüfen lassen.
  • Wir sollten hier und überall auf der Welt gegen die repressive Sexualmoral kämpfen und Moralismen abbauen. Allein das Auflösen des „bestrafenden“ Anteil ist hier schon ausreichend, wir müssen gar niemanden überzeugen selbst so zu leben. Die Vorteile sind ohnehin eindeutig.
  • Wir sollten weiter für gleiche Rechte und Möglichkeiten kämpfen und uns dafür engagieren, dass wir als Menschen in offenen Beziehungen sämtliche Rechte haben von Kinderzuständigkeit bis Steuer, so dass uns durch unseren Lebensstil nirgends Nachteile entstehen gegenüber der noch vorherrschenden Norm der Monogamie.
  • Wir sollten uns bei aller Ablehnung gegen die Ideologie der modernen Zivilisation gleichzeitig für den Erhalt der Errungenschaften der modernen Zivilisation einsetzen, denn wenn alles zerbombt ist wird es schwierig sein noch an Antibiotika und Kondome zu kommen.
  • Wir sollten unsere eigene Promiskuität wertschätzen und damit Spaß haben, denn niemand kann uns davon abhalten.
  • Wir können eventuell damit anfangen Bezugsgruppen von etwa 30 Personen zu bilden, die durch Netzwerke miteinander verbunden sind

All das sind Dinge, die auch außerhalb eines evolutionären Kontext absolut Sinn ergeben und die abgesehen vom letztem Punkt eigentlich jeder von uns unterstützten kann. (Warum genau der letzte Punkt speziell für Menschen in offenen Beziehungen Sinn macht schreibe ich ein anderes mal.)

Also liebt euch, habt Spaß und lasst euch von „bestrafender Monogamie“ nicht ins Bockshorn jagen! Auch dann, wenn er in Form eines Welt Artikels versucht eine großartige Studie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. ;)

Hat dir mein Artikel gefallen? Hast du Anmerkungen oder eine andere Meinung? Schreib es mir in die Kommentare oder schreib mir eine Email an leo@offenlieben.de !

Bis bald,

Leo

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3 Kommentare

  • Antworten
    Janina
    Donnerstag, der 28. April 2016 at 15:29

    Alles richtig nur solltest du fairerweise auf HPV aufmerksam machen dessen Übertragung fast nicht durch Kondome vehindert werden kann und für die auch noch keine einfache hinreichende Therapie-Option besteht und wo es auch nur gegen zwei Virustypen Impfungen gibt die auch nur Frauen empfohlen werden.

    • Antworten
      Leo
      Freitag, der 6. Januar 2017 at 18:12

      Hallo Janina!
      Ich weiß nicht genau woher du deine Informationen hast, aber das stimmt so nicht. Kondome bieten sogar erheblichen Schutz, wenn uach keinen vollständigen. Hierzu ein Zitat aus einer Studie durchgeführt an 82 Studentinnen: „The incidence of genital HPV infection was 37.8 per 100 patient-years at risk among women whose partners used condoms for all instances of intercourse during the eight months before testing, as compared with 89.3 per 100 patient-years at risk in women whose partners used condoms less than 5 percent of the time (adjusted hazard ratio, 0.3; 95 percent confidence interval, 0.1 to 0.6, adjusted for the number of new partners and the number of previous partners of the male partner).“ ( https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16790697?dopt=Abstract )
      Die Impfungen werden bisher nur für Frauen bezahlt, es gibt allerdings Stimmen die dafür sind das auch Männer geimpft werden. Dies muss man meines Wissen aktuell noch selbst bezahlen, ist aber durchaus möglich. Außerdem gibt es entgegen der aktuellen Infos auf Wikipedia Daten die andeuten dass eine Impfung auch bei bereits erfolgter Infektion sinnvoll sein könnte.
      Wenn HPV für dich also eine angsterzeugende Krankheit ist, könntest du über eine Impfung nachdenken und auch deine Partner impfen lassen. So ist das Risiko (verbunden mit konsequenter Kondombenutzung) in meinen Augen auch hier überschaubar. Eine Risikoeinschätzung muss aber natürlich immer individuell erfolgen.

  • Antworten
    promo codes
    Sonntag, der 3. Juli 2016 at 12:00

    Das schlimme ist, dass sich der Trend nun mit PR und SocialMedia jetzt fortsetzt.

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